Angst vor Nähe in Beziehungen

Seit dem 18 Jahrhundert suchen die Menschen nach der romantischen Liebe, einem Partner, mit dem sie gemeinsam alt werden können. Sie wünschen sich eine erfüllende Liebesbeziehung, die von Verständnis, Unterstützung und Liebe geprägt ist. Noch heute gilt diese Art der romantischen Liebe als Ideal in der Gesellschaft. Statistiken zeigen jedoch auf, dass Männer und Frauen sich in den letzten Jahrzehnten immer später binden. Neben den Schwierigkeiten Karriere und Liebesleben zu verbinden, kann auch der Nähefaktor zum Auslöser von Bindungsängsten und Distanzierung führen. Ein Konflikt, der meist erst im Laufe der eingegangenen Beziehung deutlich wird. Wie sich die Angst vor Nähe auszeichnet, welche Ursachen sie hervorrufen können und wie diese behoben werden können werden im Folgenden genauer beleuchtet.

Anzeichen der Angst vor Nähe

Die Liebe, eines der schönsten Gefühle. Das Kribbeln im Bauch, wenn sich zwei Menschen innig umarmen. Das ersehnte, weiche und intime Gefühl bei einem Kuss. Die Vorfreude lässt das Herz aufgeregt einen Takt höher schlagen, die Hände finden einander, berühren sich sanft, halten sein Gegenüber fest. Die Atemfrequenz steigt an. Die Rezeptoren in der Haut leiten das wohlige Gefühl der Berührung weiter, die Nase nimmt den vertrauten Geruch auf. Der Körper schüttet einen Schwall Wohlfühl-Hormone aus. Doch für Menschen mit Bindungsängsten und Angst vor Nähe ist dies eine Horrorvorstellung. Sie empfinden hierbei eine ernsthafte Bedrohung. Ihre Reaktion kann einer Panikattacke gleichen. Die bei vielen Menschen positiv gestiegene Herzfrequenz äußert sich hier als Herzrasen. Es kommt zu Übelkeit, Schweißausbrüchen und Enge in der Brust. Die Betroffenen erleben solche Situationen der Nähe als Gefahr und reagieren oftmals mit Flucht.

Die Betroffenen möchten zwar eine Beziehung eingehen, doch haben sie Angst vor den Folgen. Sie fürchten den Verlust ihrer Selbstständigkeit oder scheuen sich vor den Verpflichtungen und der Verantwortung, die eine Beziehung mit sich bringt. Die Schwierigkeiten des Gebens von emotionaler und körperlicher Nähe, sich jemandem Hingeben und zu öffnen trüben die positiven Effekte einer Beziehung. Hinzukommt, dass emotionale Nähe verletzbar und angreifbar macht. Viele der Betroffenen kritisieren sich häufig selbst und leiden unter einem verminderten Selbstwertgefühl. Sie fragen sich, warum gerade sie geliebt werden, da sie sich nicht für liebenswert halten.

Häufig zeigen sich solche Symptome erst je enger die Beziehung wird. Sie möchten eine Bindung eingehen, verspüren aber zunehmend Angst bestimmte Erwartungen nicht erfüllen zu können. Es werden Vermutungen angestellt, was der Partner erwartet und die Angst vor dem Nichterfüllen und den dadurch resultierenden Verlust des Partners intensiviert die Angst. Die Folgen sind weitreichende Strategien zur Distanzierung des Partners. So fangen sie häufig grundlos Streit an und reagieren gegenüber ihrem Lebenspartner kalt und abweisend, fühlen sich eingeengt und verlangen mehr Freiraum. Manchmal kommt es auch dazu, dass der Partner sang und klanglos über Nacht der Situation entflieht. Ein sehr schwieriger Zustand für den meist irritierten Partner, der die Situation und die Distanzierung seines Partners oft nicht nachvollziehen kann und sich durch dessen Verhalten verletzt und zurückgewiesen fühlt. Hier wird im Stillen viel Geduld und Verständnis in einer Partnerschaft verlangt.

Die Ursachen einer solchen Bindungsangst liegen häufig in der Vergangenheit und spiegeln Erlebtes wider. Kinder und Jugendliche, die eine Trennung oder den Verlust eines Elternteils erlebt haben, aber auch eine eher kalte und distanzierte Elternbeziehung zueinander kann diese Bindungsangst hervorrufen. Auch wenn ein Kind erlebt, dass es nur geliebt wird, wenn es bestimmte Erwartungen erfüllt, kann es im späteren Erwachsenenalter zu einer Bindungsangst neigen. Diese Erwachsenen kritisieren oft sich und ihr Verhalten und vermuten häufig hohe Erwartungen des Partners. Aus Angst diese nicht erfüllen zu können und dadurch eine Trennung herbeizuführen, gehen sie keine oder selten eine Beziehung ein. Der Schmerz des Verlusts bei einer Trennung und die damit verbundenen Zurückweisung oder Ablehnung des Partners lässt diese Personen eine starke emotionale Distanz einnehmen.

Häufig leiden diese Menschen auch unter einem sehr kleinen oder nichtvorhandenen Freundeskreis, da sie von ihrem sozialen Umfeld zu hohe Erwartungen an die eigenen Person vermuten. Sie fühlen sich oft nicht gut genug und ertragen die Nähe nicht. Viele Betroffene verstehen ihre Gefühle im Unterbewusstsein selbst nicht und entwickeln dadurch Schuldgefühle gegen sich selbst. Sie hegen oft das Gefühl nicht normal zu sein, was die Distanzierung weiter verstärkt. Auch Missbrauchserfahrungen rufen häufig eine Angst vor Nähe hervor. Das Vertrauen zu Personen ist stark erschüttert und kann nur schwer aufgebaut werden. Berührungen, Nähe und Sexualität benötigen starkes Vertrauen zu einem Partner und können deshalb oft nicht erlebt werden.

Überwinden der Angst

Der erste Schritt, um seine Bindungsangst zu überwinden ist es zu akzeptieren, dass man Angst hat. Ein Partner, der nicht sieht, dass er unter Bindungsangst leidet, wird sie nicht überwinden können.
Das Gespräch mit dem Partner oder einer nahestehenden Person zu suchen ist wichtig. Hierbei sollten auch die Einstellungen gegenüber der Beziehung reflektiert werden. Vermutet der Betroffene Erwartungen von seinem Lebensgefährten, die dieser gar nicht verlangt? Ein Gespräch mit dem Partner hilft, diese Missverständnisse zu klären. Das Abstecken von Grenzen ist auch in einer Partnerschaft von äußerster Wichtigkeit. Dafür benötigt eine Person aber genügend Selbstvertrauen, um sich auch gegenüber anderen durchzusetzen. Die Stärkung des Selbstwertgefühls ist hier von großem Wert. Eine Möglichkeit wäre sich positive Eigenschaften von Freunden, Bekannten und dem Partner sagen zu lassen und diese gemeinsam zu notieren.

Diese an einem Ort aufhängen, an dem man öfters vorbeigeht, wie z.B. dem Kühlschrank. Ein Blick darauf kann die Stimmung und das Selbstwertgefühl für den Anfang heben. Autogenes Training oder Meditation können bei auftretenden Anspannungen oder bei Panikattacken helfen. Weiterhin könnte ein Hobby helfen, dass die speziellen Fähigkeiten des Partners zeigen. Kann dieser zum Beispiel gut zeichnen oder ist er besonders musikalisch kann ein Ausweiten der Fähigkeiten, vor allem in Gruppen, zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl führen. Auch die Beziehung zu Tieren kann helfen. Eine Einzeltherapie sollte aber berücksichtigt werden, um das Erlebte aus der Kindheit oder Vergangenheit aufzuarbeiten und um das Selbstwertgefühl zu steigern. In einer Ehe oder lange bestehenden Partnerschaft kann eine Paartherapie von großem Nutzen sein. Hierbei kann beiden Seiten geholfen werden, die Situation anzunehmen und die Angst zu überwinden. Denn auch der nichtbetroffene Partner leidet häufig an den Verletzungen und Zurückweisungen des bindungsängstlichen Partners.

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