Beziehung mit depressiven Partner

Gerade in einer Beziehung kann ein depressiver Mensch dennoch Halt finden. Er wird nicht mit der neuen Liebe sofort seine Depressionen überwinden, aber er wird sich besser aufgehoben fühlen, wenn der Partner einfühlsam ist und bestimmte Voraussetzungen in Kauf nimmt. Auch ist die Zusammenarbeit zwischen zwei Partnern hilfreich, ohne dass einer auf den anderen Druck ausübt. In einer Partnerschaft ist vor allen Dingen Verständnis notwendig, um die Depression als Krankheit zu erkennen und gegen diese angehen zu können.

Wie zeigt sich der depressive Mensch in einer Partnerschaft?

Depressionen treten nicht nur bei bestimmten Menschen auf, sondern können jeden treffen. Darunter kann der Mensch zuvor auch lebenslustig und positiv denkend gewesen sein, die Depression wird sein Wesen völlig verändern. Setzt die Depression ein, verliert der Betroffene jeden Schwung, wird lustlos und ist durch nichts aufzuheitern. Es ist also in einer Partnerschaft nicht ratsam, jemanden mit guter Laune aus der Misere herausholen zu wollen, da Depressionen Vorgänge im Kopf sind, die durch äußerliche Bedingungen erst einmal nicht verändert oder aus der Welt geschafft werden können. Die Depression ist allmächtig und jeder Versuch, diesem Zustand mit Humor oder Fröhlichkeit zu kommen, wirkt auf den Betroffenen gespielt, unecht und bemüht und vergrößert darum sein Schuldgefühl. Er erkennt darin seine eigene Machtlosigkeit, den sinnlosen Zustand, den er nicht ändern kann, sieht sich selbst als Belastung für den Partner und verfällt mehr und mehr seiner Traurigkeit.

Natürlich ist gerade in einer Partnerschaft der Umgang mit einem depressiven Menschen schwer und erfordert viel Geduld und Mitgefühl. Häufig lässt sich der Mensch, der den Betroffenen liebt, mit hinunter ziehen, fühlt sich schuldig, da er ihm nicht helfen kann. Auch ist es schwierig für den Partner, diesen Zustand vollkommen zu erfassen, da er sich in diese Welt nicht hineindenken kann, weshalb bei ihm nicht nur Schuld, sondern auch Ärger über den Betroffenen aufkommen kann, da dieser nicht aus seiner Lage herausfindet.

Gerade wenn eine depressive Phase lange andauert, der Partner sich dem gegenüber machtlos sieht, spürt er schnell Erschöpfung und Überdruss, denn Depressionen wirken sich immer auch auf die Menschen in der unmittelbaren Umgebung aus. Der Partner muss begreifen, dass hier seine Anwesenheit trotzdem erforderlich ist, er auch viele Aufgaben mit übernehmen muss, die der Depressive im Augenblick nicht über sich bringt. Die Depression führt häufig auch zu einer Art geistigen und körperlichen Lähmung. Der Betroffene ist unfähig, sich von einem Zimmer ins andere zu bewegen, vor die Tür zu gehen oder überhaupt alltägliche Dinge zu verrichten. Er spürt nur eine riesige Last, die ihn bewegungslos macht und auch im Kopf vormacht, dass er einfach zu schwach ist, all das zu bewerkstelligen. Einfachste Handgriffe werden zu unüberwindbaren Barrieren. Der Partner muss also ganz bewusst auch Rücksicht nehmen und sich nicht darüber mokieren, dass alles auf ihm lastet.

Wie kann der Partner auf den Depressiven eingehen?

Wichtig ist, dem Betroffenen nicht das Gefühl zu geben, dass er gedrängt oder dass seine Krankheit abgetan wird. Gute Ratschläge sind selten hilfreich, insbesondere wenn der Partner die Zustände nicht persönlich kennt und durchlebt hat, was häufig der Fall ist. Ein gesunder Mensch kann bei einen depressiven Menschen nicht die gleichen Voraussetzungen erwarten, die er von sich kennt. Die inneren Abgründe eines Depressiven unterscheiden sich erheblich von denen eines gesunden Menschen und sind auch nicht vergleichbar mit Phasen, in denen ein Mensch schlecht drauf ist oder keinen guten Tag hat. Depressionen kommen plötzlich, vergleichbar mit einer schwarzen Wolke, die sich über den Betroffenen senkt und ihn völlig einhüllt und verdüstert. Er kann diese Momente weder verhindern noch abschwächen, ist ihnen eher machtlos ausgeliefert, bis die Phasen sich allmählich wieder lösen.

In der depressiven Phase überkommt den Betroffenen eine furchtbare Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Angst vor dem Leben. Diese Emotionen sind so stark, dass keinerlei Sinn mehr gesehen wird, sei es für das Leben, für das Handeln oder andere Umstände. Auch der Partner kann während dieser Zeit in Frage gestellt werden, nicht im Sinne seiner Gefühle, sondern in der Belastung, die der Depressive ihm aufbürdet und dieses auch bewusst empfindet, ohne daran etwas ändern zu können. Diese Hoffnungslosigkeit löst sich erst wieder, wenn die Depression vorüber ist. Dann sieht alles wieder ganz anders aus. Während der Phase aber gibt es wenig, was dem Depressiven tatsächlich hilft. Er steht sich in gewisser Form selbst und alleine gegenüber. Er weiß, dass all das keinen Sinn ergibt, dass diese Phase ihn nicht übermannen sollte. Er kann aber dennoch nichts dagegen tun. Das alles darf der Partner nicht unterschätzen oder nicht wichtig nehmen. Ratschläge sind daher unsinnig, da er diese Phasen in ihrer Gewalt nicht kennt. Er kann allerdings für den Partner da sein, ihm Trost spenden, den Alltag für ihn regeln. Er kann mit ihm zu einem Psychologen gehen oder versuchen, in Gesprächen über die Gefühle zu reden.

Depressive fühlen sich verzweifelt und klagen über ihr Leben. Sie ziehen sich zurück, das darf der Partner wiederum nicht als Liebesentzug ansehen. Er muss Geduld aufbringen, sich klar machen, dass dieser Zustand eine Krankheit ist. Es bringt daher nichts, dem Depressiven vermitteln zu wollen, dass er keine Schuld hat oder seine Hoffnungslosigkeit unsinnig ist. Ganz im Gegenteil wird der Betroffene seine Welt verteidigen, daher ist es völlig sinnlos, von Schuld oder einer zu negativen Einstellung zu sprechen.

Tatsächlich ist nichts schlimmer für den Depressiven, als wenn sein Leiden nicht ernst genommen wird. Er dramatisiert sein Erleben nicht, es nimmt ihn wirklich in dieser Heftigkeit ein. Der kleinste Schmerz kann zum Unerträglichen geraten. Daher darf der Partner dieses Verhalten auch nicht als Ablehnung verstehen.

Da die Phasen manchmal lange andauern, sollte der Partner darüber nicht vergessen, seine eigene Interessen zu verwirklichen. Er darf also seinen Alltag nicht völlig auf den depressiven Partner reduzieren, da die Belastung nur umso größer wird und der Partnerschaft schadet. Eine Beziehung, die auf derartige Probleme basiert und dem Depressiven hilft, muss auch Zeit erübrigen, die sich nicht alleine um die Erkrankung dreht. Schuldgefühle sind hier nicht angebracht, denn der Partner muss sich immer bewusst machen, dass während der depressiven Phase alles anders für den geliebten Menschen aussieht, als nach der Depression, er vielleicht auch durch die Verzehrung Sachen anspricht, die verstörend wirken, die aber im normalen Zustand weder gemeint noch in gleicher Art und Weise bewertet werden. Er sollte auch vor Augen haben, dass der Depressive in diesem Loch alleine sitzt und tatsächlich die Zeit erst alles wieder abschwächt und ins Lot bringt.

Rücksicht und Liebe sind die Eckpfeiler einer solchen Partnerschaft. Mit Hilfe eines Arztes kann eine Depression bald auch wieder verarbeitet werden und den Depressiven in eine heitere Stimmung zurückführen.

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