Bindungsprobleme in der Beziehung lösen – was tun?

Die meisten Menschen sehnen sich nach einer liebevollen, glücklichen Beziehung, in der sie verstanden und unterstützt werden. Wer möchte schon sein Leben gerne alleine verbringen? Bei der Frage nach der Hauptglücksquelle der Deutschen belegt die Partnerschaft mit 52,4 Prozent den ersten Platz, wie aus einer Erhebung der GfK Marktforschung Nürnberg hervorgeht. Wer in einer festen Beziehung oder Ehe lebt, fühlt sich demnach glücklicher. Bei vielen Menschen scheint eine vertraute, stabile Partnerschaft jedoch einfach nicht funktionieren zu wollen. Viele wünschen sich eine enge Bindung, aber haben gleichzeitig Angst, sich auf eine feste Beziehung einzulassen. Diese Menschen leiden häufig unter Bindungsängsten.

Anzeichen für Bindungsprobleme

Bindungsängste zu erkennen, kann es schwierig sein. Je nach Ausmaß dieser Probleme können diese entweder schon beginnende Beziehungen im Keim ersticken oder erst im Laufe einer bestehenden Beziehung auftreten. Dennoch gibt es einige Verhaltensweisen, die auf ein mögliches Bindungsproblem hinweisen können.

Rückzug und Distanz zählen zu den typischen Handlungsweisen. In der Kennenlernphase sind Menschen mit Bindungsproblemen oft der Part, der den anderen umgarnt und um ihn kämpft, doch hat sich das Gegenüber dann für ihn entschieden, lässt das Interesse schnell nach und es kommt zu einem plötzlichen Rückzug. Der Wunsch nach Distanz kann sich aber auch erst im Laufe der Beziehung zeigen: Sobald es ernst und verbindlich wird, brauchen Bindungsängstliche plötzlich mehr Freiraum. Dies kann sich äußern in innerlichem oder äußerlichem Rückzug, also in abweisendem und distanziertem Verhalten oder in tagelangem Abtauchen. Ein weiterer Weg, für Distanz zu sorgen, ist Streit oder sogar das Beenden der Beziehung.

Unverbindlichkeit ist für Bindungsängstliche häufig sehr wichtig. Sie wollen sich grundsätzlich nicht gerne festlegen und bleiben lieber unverbindlich. Das betrifft sowohl alltägliche Verabredungen, als auch besonders eine gemeinsame Zukunftsplanung. Gemeinsame Pläne, sei es nur für den nächsten Urlaub, werden als einengend empfunden.

Auch die Partnerwahl ist bei den meisten Beziehungsphobikern ähnlich. In vielen Fällen suchen sich Bindungsängstliche bewusst oder unbewusst Menschen aus, mit denen keine ernsthafte Beziehung möglich ist oder erwartet wird, zum Beispiel vergebene oder verheiratete Partner. Oder sie suchen den perfekten Partner und stecken ihre Erwartungen so hoch, dass sie in der Realität kein Mensch erfüllen kann. Daher wechseln sie häufig den Partner. Fernbeziehungen sind bei Beziehungsphobikern häufig besonders beliebt, da solche Partnerschaften die Voraussetzung für die gewünschte Distanz gleich mitbringen.

Was steckt hinter den Bindungsproblemen?

Hinter Bindungsproblemen können sich verschiedene Ursachen verbergen. Sie können ihren Ursprung schon in der Kindheit haben. Vielleicht musste der Betroffene erleben, dass sich die Eltern getrennt haben und konnte diese schmerzliche Erfahrung nicht verarbeiten. Oder die Eltern haben eine schlechte Beziehung zueinander vorgelebt, in der viel gestritten oder gar geschlagen wurde. Emotionale Bindungen werden beim Betroffenen dann unterbewusst mit seelischem Schmerz verbunden, den er vermeiden will, indem er selbst keine engen Bindungen eingeht.

Auch frühere Beziehungen können ein Grund für die Ängste sein. Enttäuschungen, Liebeskummer oder Untreue haben vielleicht dazu geführt, dass der Betroffene keine enge Bindung mehr eingehen möchte, um sich vor neuerlichen schmerzhaften Erfahrungen zu schützen.

Eine weitere mögliche Ursache für die Angst sich zu binden ist ein mangelndes Selbstwertgefühl. Wer sich selbst nicht für liebenswert hält, kann es schwer annehmen, dass ein anderer ihn akzeptiert und liebt.

Wege aus der Bindungsangst

Bindungsängste sind nicht nur für den Betroffenen selbst ein schmerzhaftes Problem, sondern auch für die Partner. Leider gibt es kein Mittelchen, dass diese Angst einfach aus der Welt schafft und für jeden wirksam ist. Bindungsangst ist häufig ein tief gehendes Problem, das sich nicht über Nacht beseitigen lässt.

Um Bindungsangst zu überwinden, muss das Problem zunächst erkannt und eingestanden werden. Nur wer die eigenen Verhaltensweisen analysiert und ändert, kann lernen sich auf eine gesunde Beziehung einzulassen. Daher ist es ratsam, die Gründe zu erforschen, warum tiefere Beziehungen nicht eingegangen werden können. So können zum Beispiel Gleichgesinnte in einer Selbsthilfegruppe gemeinsam mögliche Lösungsansätze finden. Zudem kann es hilfreich sein, zu erfahren, dass es anderen ähnlich geht.

Auch der Partner sollte über die Ängste Bescheid wissen. Offen und ehrlich über die Gedanken und Gefühle zu sprechen, ist für beide Seiten wichtig. Es sorgt für Verständnis und eröffnet die Möglichkeit, das Problem gemeinsam anzupacken und zu versuchen, die Partnerschaft immer ein klein wenig mehr zu festigen, ohne dass sich der Beziehungsängstliche dabei eingeengt fühlen muss. Nur durch Gespräche lassen sich Befürchtungen und Zweifel aus dem Weg räumen. Dabei lässt sich auch klären, ob die vermuteten Erwartungen, die der Bindungsängstliche sieht, wirklich zutreffen. Auch in einer festen Partnerschaft dürfen die eigenen Wünsche geäußert werden. Für den an Bindungsproblemen Leidenden ist es wichtig sein Selbstwertgefühl zu stärken und sich bewusst zu machen, dass er das Recht hat, Grenzen zu setzen und zu sagen, wenn er etwas nicht möchte – auch in einer Beziehung.

In jedem Fall sollten sich beide Partner ihre Selbstständigkeit bewahren und der benötigte Abstand respektiert werden. Gemeinsame positive Erfahrungen können die Bindungsangst schrittweise aus der Welt schaffen. Doch der Weg aus der Bindungsangst kann lang und mühsam sein. Bei einer dauerhaften und tiefsitzenden Bindungsangst ist es ratsam, eine Psychotherapie in Erwägung zu ziehen.

Es sollte auch klar sein: Eine Partnerschaft mit einem beziehungsgestörten Menschen erfordert sehr viel Geduld und die Fähigkeit, Rückschläge verkraften zu können – und zwar ohne Erfolgsgarantie.

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