Neue Beziehung / neuen Partner im Trennungsjahr

„Die Zeit heilt alle Wunden“ ist ein ebenso alter wie wahrer Spruch, der insbesondere in Liebesangelegenheiten immer wieder seine Gültigkeit beweist. Jeder kennt das Gefühl der Verzweiflung, das sich nach einer Trennung unwillkürlich einstellt, und alle Gedanken dominiert. Trauer, Ursachenforschung, Wut, Grübeln und die Geringschätzung der eigenen Person bilden bei dem verlassenen Partner in der Regel ein unheilvolles explosives Gemisch, das sich erst nach längeren Zeiträumen wieder entschärft.

Derjenige Partner, der den Trennungsschritt vollzogen hat, verfügt hier über einen zeitlichen Vorsprung, weil er natürlich im Vorfeld der Trennung schon unzählige Male das Für und Wider abgewogen hat. Beide aber stehen unter einer Art Schock, der sich nur langsam löst. Die erste aktive Reaktion ist meistens, nach einem neuen Partner zu suchen. „Neues Glück heilt altes Leid“ ist der gängige Spruch dafür, der allerdings mit Vorsicht zu genießen ist. Denn die Zeit, in der eine Trennung vollständig verarbeitet ist, kann sehr lange dauern. Derweil bleibt jeder Mensch in seinen Wahrnehmungen und Reaktionen bezüglich der Partnerschaft sehr getrübt, weil die Emotionen immer noch durcheinanderwirbeln und die Erfahrung mit dem alten Partner das Denken bestimmt. Zwischen ein paar Monaten und zwei Jahren schätzen Psychologen, je nach Typ des Betroffenen und Länge bzw. Intensität der Beziehung, die Dauer des „Heilungsprozesses“ ein. Aber in dieser Zeit werden bereits wieder neue Partner interessant.

Neue Beziehung als Selbstbeweis?

Gerade Männer, die ihre Partnerin verloren haben, neigen dazu, ihre so empfundene Niederlage durch schnelle Siege wieder auszugleichen. In den Singlebörsen des Internets bietet sich reichlich Gelegenheit, vermeintlich wesentlich attraktivere Frauen kennen zu lernen und damit den Verlust zu kompensieren. In der Regel ahnt die neue Partnerin gar nicht, welche Beweggründe hinter dem neuen Kontakt stehen. Beim näheren Kennenlernen allerdings erweist sich auch die coolste männliche Fassade als brüchig. Wenn die Trennung noch nicht verarbeitet ist, verrät jeder Mensch mit überdurchschnittlich vielen Verweisen auf seine vorherige Beziehung, wie stark er von ihr noch beeinflusst ist. Eine erfahrene Frau wird darauf mit Rückzug reagieren – schon wandelt sich der erwünschte „schnelle Triumph“ in die nächste „Niederlage“ und verstärkt nur noch das Gefühl des Verlustes. Das gilt natürlich auch für Frauen. Aber im Gegensatz zu Männern sind sie eher bereit, Abstand zwischen sich und das Erlebte zu bringen, um einem neuen Partner offen und ohne ständige Vergleiche mit dem Ex gegenüber treten zu können.

Der unzulässige Vergleich

Die ständige Gegenüberstellung von neuem und alten Partner ist das Hauptübel, das jede neue Beziehung vergiften kann. Solange die oder der Ex das Denken eines Menschen dominiert, wird dieser Vergleich unbewusst ständig vorgenommen. „Gewinnen“ kann dabei nur das Missverhältnis in der Wahrnehmung, denn in der Erinnerung idealisiert sich die Erfahrung. Ein neuer Partner kann natürlich in den meisten Fragen überhaupt noch nicht die Nähe und die guten Gefühle erzeugen, an die der oder die Verlassene sich klammert. Während die Fiktion gepflegt wird, wird die reale Chance verspielt. Der neue Partner / die neue Partnerin wird in eine Rolle gedrängt, die nur in den seltensten Fällen gemeistert werden kann. Das Gegenteil ist die Regel: er oder sie ahnt nach und nach, dass es gar nicht um die eigene Person geht, sondern um eine fremde Macht. Es gibt nur eine Chance, aus dieser Sackgasse zum programmierten Misserfolg heraus zu kommen: das offene und ehrliche Gespräch über die Motivation.

Ehrlichkeit ist die Grundlage jeder Beziehung

Was auf Statussymbolen oder vorgespielten Einstellungen beruht, hat keine Aussicht auf Bestand. Zu groß ist hier die Breite der Missverständnisse, die sich auftun kann, zu anstrengend ist es für einen Menschen, ein künstliches Bild auch in jeder alltäglichen Reaktion durchhalten zu können. Wenn ein neuer Partner oder eine neue Partnerin jedoch diese widersprüchlichen Haltungen erlebt, gerät das wichtigste Element für den Aufbau einer neuen Beziehung in Misskredit: das Vertrauen. Um Vertrauen aufbauen zu können, bedarf es unbedingter Ehrlichkeit.

Der oder die Verlassene muss sich zu aller erst selbst überprüfen: Bin ich bereit für eine neue Beziehung? Kann ich der oder dem Ex begegnen, ohne in Hektik zu verfallen? Habe ich inzwischen wenigstens einige Punkte erkannt, in der die Partnerschaft nicht „gepasst“ hat. Nur wenn alle Fragen mit „Ja“ beantwortet werden können, ist das Zugehen auf einen neuen Partner oder auf eine neue Partnerin sinnvoll.

Der Vorteil jeder gescheiterten Beziehung ist, dass die Beteiligten daraus etwas für Zukünftiges lernen können. Diese Chance muss jeder unbedingt wahrnehmen, denn sie hilft dem eigenen Glück
vorwärts und bringt einer neuen Beziehung wesentlich bessere Chancen. Das unabwendbare Grübeln nach der Trennung hat auch sein Gutes – wenn es wirklich dazu führt, dass ein paar deutliche Erkenntnisse gewonnen werden und die Gedanken nicht nur im Kreis laufen. Das Wichtigste für jeden Einzelnen ist, besser definieren zu können, was er eigentlich will. Je mehr Erfahrungen vorliegen, desto genauer wird das bewusst. Dann sinkt die Gefahr, Traumbildern aufzusitzen, oder neue Partner in diesem Sinne zu deuten. Allerdings ist das Verfallen in das nächste Extrem keine gute Lösung. Frauen, die mit einem intellektuellem Mann nicht zurechtgekommen sind, wird dies nicht zwangsläufig mit einem passionierten Heimwerker gelingen.  Deswegen ist auch die Ehrlichkeit gegenüber einer neuen Partnerin / einem neuen Partner genau so wichtig. Es geht nicht darum, möglichst genau die gegenseitigen Anforderungen abzustimmen, sondern das gegenseitige Verständnis zu fördern. Das wird zwingend benötigt, wenn sich z.B. auf Grund gemeinsamer Kinder Kontakte zur oder zum Ex erforderlich machen.

Wie verhalten im Trennungsjahr?

Das Wichtigste: Zeit lassen im Trennungsjahr. Der Schmerz ist unvermeidlich, aber er ist nicht von unendlicher Dauer. Das Grübeln nutzen – die Gedanken lassen sich nicht ausbremsen, aber lenken. Sie helfen herauszufinden, wie die eigenen Ansprüche wirklich aussehen. Der Gegensatz eines eingebüßten Ideals ist nicht automatisch die Alternative. Bis zu welchem Punkt sind andere Verhaltensweisen wirklich tolerierbar?

Es ist unsinnig, eine neue Beziehung zu beginnen, ohne die verlorene verarbeitet zu haben. Kommt es zu interessanten Kontakten, muss nicht zwingend Verzicht geübt werden. Sie können ruhig entwickelt werden – aber langsam. Kein blinder Aktionismus, keine bewusste Verlängerung der Leidensphase: beides ist verlorene Lebenszeit, weil die Misserfolge programmiert sind. Ehrlichkeit zu sich und einem neuen Partner / einer neuen Partnerin sind die Grundlage, auf der eine neue Beziehung wachsen kann.

Die 10 häufigsten Fehler die Beziehungen zum Scheitern bringen:

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