Zu hohe Ansprüche an den Partner?

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Eine Beziehung die lebenslang hält, und die gute und schlechte Zeiten übersteht, das wünschen wir uns alle. Sicherlich ist das kein zu hoher Anspruch an ein Leben in Zweisamkeit. Aber warum schaffen es heute immer weniger Liebende? Warum ist die große Liebe oftmals schon nach wenigen Monaten oder Jahren nur noch ein einziges Fiasko? Warum zerbrechen große Gefühle an Kleinigkeiten?

Gerade bei jungen Menschen ist dieser Trend erkennbar. Kommt es zu den ersten Konflikten, sind sie eher geneigt, der Beziehung ein drastisches Ende zu setzen, als sich mit dem Partner auseinanderzusetzen, und für den Erhalt der Partnerschaft zu kämpfen. Anstatt zu hinterfragen, warum es nun zu dieser Partnerschaftskrise gekommen ist, wird der scheinbar einfachste Weg gewählt. Zweifelsohne ist eine Trennung manchmal die klügste und beste Entscheidung. Doch in vielen Fällen wäre eine Beziehung durchaus zu retten.

Eine Grundvoraussetzung wäre allerdings, sich selbst einmal zu hinterfragen. Ist denn nun wirklich der Partner oder die Partnerin der falsche Mensch für ein gemeinschaftliches Leben, oder könnte es nicht vielleicht auch daran liegen, dass die eigenen Ansprüche an den Partner zu hoch gesteckt wurden? Wenn SIE den Prinzen aus dem Märchen erwartet, und ER eine Superfrau, die bereits in aller Herrgottsfrühe nichts als gute Laune ausstrahlt, die ihm perfekt gestylt das Frühstück ans Bett bringt, und für die Worte des Widerspruchs Fremdworte sind, dann wird es wohl nichts werden mit der dauerhaften Beziehung. Seifenopern à la Hollywood dauern eben deshalb nur maximal neunzig Minuten, weil sie keine alltagstauglichen Partnerschaftsratgeber sind, sondern seichte TV-Unterhaltungskost. Schwerverdaulich wird der Konsum dieser Filmchen nur dann im Magen liegen, wenn wir Filmwelt und reale Welt nicht mehr klar gegeneinander abgrenzen.

Doch wie lässt sich in einer Partnerschaft verhindern, dass der eine an den anderen zu hohe Ansprüche stellt? Menschen, die sich in reiferen Jahren kennen und lieben lernen, haben oft genug zumindest eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Viele haben aus ihren Fehlern gelernt, und bringen eine grundlegende Zutat mit in die neue Beziehung, um das Rezept „dauerhafte Partnerschaft“ gelingen zu lassen. Sie sind kompromissbereit. Sie streiten sich auch nicht mehr so schnell um des Kaisers Bart, wie es die jungen Leute oft tun. Natürlich gibt es immer die Unverbesserlichen. Doch grundsätzlich strebt der Mensch eine harmonische Beziehung an. Mit einer entsprechenden Lebenserfahrung harmonisiert es sich oftmals leichter.

Darüber hinaus ist Akzeptanz für eine Partnerschaft etwas Existenzielles. Wer von seinem Partner hundertprozentige Übereinstimmung mit den eigenen Ansichten, Meinungen, Hobbies und Gewohnheiten fordert, der fordert zu viel. Es muss nicht gleich der Mann, der gerne einmal einen Actionfilm anschaut, der falsche Partner sein, nur weil die Frau eine ausgeprägte Vorliebe für Liebesfilme hat. Wenn ER wiederum gerne beim Autofahren auf das Gaspedal tritt, kann er sich das ruhig verkneifen, wenn IHR als Beifahrerin bereits die nahende Ohnmacht ins Gesicht geschrieben steht.

Grundsätzlich sollte in einer Partnerschaft viel mehr Lob als Kritik ausgeteilt werden. „Erst denken, dann sprechen“, ist manchmal ein gutes Motto. Hat er in ihrer Abwesenheit den Staubsauger geschwungen, und hat dabei die eine oder andere Fluse nicht den Weg ins Staubsaugerrohr gefunden, ist das noch lange kein Grund, ihn deswegen anzuherrschen. Vielmehr wäre ein liebes Wort eine ehrliche Anerkennung seines guten Willens. Wenn sie hingegen einmal ein Essen versalzt, sollte das für ihn auch kein Grund sein, gleich einen Streit vom Zaun zu brechen.

Zu hohe Ansprüche an den Partner liegen immer dann vor, wenn totaler Perfektionismus verlangt wird. Dabei sind es doch gerade die liebenswerten kleinen „Macken“, die uns alle ausmachen. Zusammen über etwas lachen können, was dem einen oder anderen misslungen ist, schweißt zusammen.

Jeder sollte sich einmal im stillen Kämmerlein überlegen, ob er nicht vielleicht Forderungen an seinen Partner stellt, die er an sich selbst niemals stellen würde. Vielleicht würde SIE nichts auf der Welt lieber sehen, als IHN endlich in der Position des Geschäftsführers. Schließlich arbeitet er doch schon seit 3 Jahren in dem Unternehmen, und wofür hat er denn studiert, wenn er nun doch Zeit seines Lebens als einfacher Abteilungsleiter die Brötchen verdient? Die Frage, die sie sich allerdings auch stellen sollte wäre, warum sie nicht eine eigene Berufskarriere anstrebt. Es scheint ihr doch wichtig zu sein.

Viele Menschen neigen dazu, über ihren Partner das eigene Ego stärken zu wollen. In erster Linie sollte aber der Mensch, in den man sich einst verliebt hat, im Vordergrund stehen. Dieser Mensch wird nicht unweigerlich besser, wenn er auf der Karriereleiter nach oben steigt.

Nun soll das nicht heißen, dass es in einer Partnerschaft keinerlei Ansprüche an den anderen geben darf. Es sollten aber vielmehr Ansprüche sein, die zum einen von beiden Seiten erfüllbar sind, und die zum anderen zum lebenslangen Fortbestand einer Partnerschaft wesentlich beitragen. Erwähnenswert ist da natürlich Liebe, Treue, Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, aber auch Kompromiss- und Konfliktbereitschaft. Wer dann noch das nötige Quäntchen Toleranz und die Bereitschaft, über Dinge zu reden mitbringt, ist sicherlich partnerschaftstauglich.

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