Zu nett sein für eine Freundin – was tun?

Zu nett sein, gibt es das überhaupt? Grundsätzlich bezeichnet „nett“ ja eine positive Eigenschaft, in der Beziehung zu anderen Menschen und ganz besonders in einer Partnerschaft können dadurch jedoch Probleme entstehen. Es spricht generell gar nichts dagegen, nett und freundlich miteinander umzugehen, ganz im Gegenteil. Aber wenn ein Partner immer nur nett sein will, jedem Wunsch des anderen nachgibt, egal ob es ihm selbst passt oder nicht, wird das auf Dauer zu einem Ungleichgewicht in der Beziehung führen.

Nachgiebigkeit als Gefahr für die Beziehung

Wer sich zu wenig vom anderen abgrenzt, wer seine eigenen Meinungen und Wünsche immer nur denen des Partners unterordnet, wird im Lauf der Zeit immer unzufriedener. Vielleicht geschieht das zunächst unmerklich, vielleicht macht es am Anfang sogar glücklich, sich voll und ganz nach dem Partner zu richten. Aber irgendwann hat ein solches Verhalten nichts mehr mit Nettigkeit zu tun, sondern grenzt an Selbstaufgabe. Dahinter steckt oft der Wunsch, es allen recht machen zu wollen und die Angst, verlassen zu werden. Früher oder später wird die Unzufriedenheit jedoch so groß, dass sie in einem Streit herausplatzt und der Partner unfairer Weise dafür verantwortlich gemacht wird. Von der Gegenseite betrachtet, wird ein Mensch ohne eigene Meinung, ohne Profil, ohne Ecken und Kanten auf Dauer uninteressant, wenn nicht gar unattraktiv.

Die eigenen Bedürnisse erkennen

Um an dieser Situation etwas ändern zu können, müssen zunächst die eigenen Bedürfnisse klar sein. Das klingt leichter, als es ist, denn wer sich über Jahre hinweg immer nur nach anderen Menschen gerichtet hat, erkennt seine eigenen Wünsche möglicherweise gar nicht mehr als solche. Es kann helfen, sich in einer ruhigen Minute hinzusetzen und sich Fragen zu stellen wie „Was erwarte ich im Leben?“, „Wo will ich hin?“, „Was ist mir in einer Beziehung wichtig?“ oder „Was macht mich glücklich?“. Wer auf diese Fragen eine Antwort geben kann, ist schon ein ganzes Stück weiter. Außerdem ist es hilfreich, im Alltag immer wieder in sich hineinzuhören und darauf zu achten, wie sich die jeweilige Situation oder Entscheidung anfühlt. Ist ein positives Grundgefühl vorhanden oder nagt irgendwo die Unzufriedenheit? Würde eine andere Entscheidung das Gefühl verbessern? Hin und wieder etwas zu tun, was man nicht gerne tut, um dem anderen einen Gefallen zu erweisen, ist in Ordnung. Es darf jedoch nicht zum Dauerzustand werden.

Zu den eigenen Bedürfnissen stehen

Im nächsten Schritt geht es darum, die neu erkannten Bedürfnisse nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor anderen einzugestehen und die eigene Meinung deutlich zu machen. Schließlich kann der Partner keine Gedanken lesen und möchte wissen, was dem anderen durch den Kopf geht. Für den Anfang genügen kleine, eher unwichtige Entscheidungen im Alltag, die nur einen selbst betreffen und nicht den Partner, z.B. ein Kleidungsstück kaufen, auch wenn es dem Partner nicht gefällt. Wenn das klappt, ohne ein schlechtes Gewissen zu verursachen, lässt sich das Verhalten auf gemeinsame Entscheidungen ausweiten, z.B. bei der Frage, welches Restaurant gewählt wird oder, schon etwas schwieriger, wohin die nächste gemeinsame Urlaubsreise geht. Es ist völlig in Ordnung, dabei unterschiedlicher Meinung zu sein und unterschiedliche Interessen zu vertreten. Dazu gehört auch, sich bewusst Zeit für sich nehmen, für ein eigenes Hobby und Treffen mit Freunden ohne den Partner. Eine glückliche Beziehung zu haben bedeutet nicht, immer einer Meinung zu sein und alles gemeinsam zu unternehmen. Im Gegenteil, so kann sich ein immer gleicher Alltagstrott entwickeln, der auf Dauer langweilig wird. Gelegentliche getrennte Aktivitäten bringen dagegen frischen Wind in die Beziehung.

Respektvolle Kommunikation

Vielen Menschen sind Meinungsverschiedenheiten zuwider, denn sie sehen dadurch die Harmonie ihrer Beziehung gestört. Doch diese Grundhaltung erweist sich als falsch. Auch wenn ein harmonisches Miteinander als erstrebenswertes Ziel gilt, ist es unmöglich, immer einer Meinung zu sein. Schließlich hat jeder das Recht, seine eigene Meinung zu vertreten. Dadurch wird es zu Konfrontationen kommen, zu Meinungsverschiedenheiten, vielleicht auch mal zu einem Streit. Das allein stellt aber keine Gefahr für die Beziehung dar. Entscheidend ist vielmehr, wie die eigene Meinung kommuniziert wird, nämlich in respektvoller Art und Weise. Dazu gehört auch, freundlich, aber entschieden „Nein“ zu sagen und nicht jedem Wunsch des anderen nachzugeben, wenn es gerade nicht passt. Es ist erlaubt und sogar erwünscht, Kritik am Verhalten des anderen zu äußern, wenn dieses als störend empfunden wird. Wichtig ist dabei, einen möglichst ruhigen Tonfall zu bewahren und immer aus der eigenen Perspektive heraus zu argumentieren. Also nicht im Sinne von „Du machst dieses und jenes falsch“, sondern eher „Ich fühle mich so und so, wenn du dieses oder jenes tust“. Sonst kann sich der andere angegriffen fühlen und es kommt schnell zu einem unsachlichen Streit. Seine eigenen Bedürfnisse zu verfolgen und gleichzeitig einen respektvollen Umgang miteinander zu wahren, heißt aber auch, die Bedürfnisse des anderen zu achten und nicht immer stur seinen eigenen Willen durchzusetzen. Manchmal wird es notwendig sein, zurückzustecken und einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können. Wird ein Vorschlag des anderen abgelehnt, so sollte immer eine alternative Lösung angeboten werden.

Es gehören Mut und Überwindung dazu, die Rolle des ewig netten und nachgiebigen Partners hinter sich zu lassen. Es wird sicher nicht von heute auf morgen funktionieren, ein jahrelang verfolgtes Verhaltensmuster zu durchbrechen. Auch der andere reagiert möglicherweise zunächst irritiert, wenn der Partner auf einmal selbstbewusst seine Meinung vertritt. Es gehört aber zu einer reifen und gleichberechtigten Partnerschaft dazu, gemeinsam daran zu arbeiten und Kompromisse auszuhandeln. Nur so entwickelt sich die Beziehung weiter und nur so werden auf Dauer beide Partner damit glücklich werden.

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