Beste Freundin verloren

Die beste Freundin zu verlieren, kann ganz genau so schlimm sein wie der Verlust eines tatsächlichen Familienmitgliedes. Psychologische Studien haben ergeben, dass im Erwachsenenalter Freunde zu großen Teilen die Funktion einer Familie einnehmen, besonders im Hinblick auf Zuwendung, Austausch, praktische Hilfe, Unterstützung bei Krisen und Gestaltung der Freizeit. Deshalb sollte zuallererst der Schmerz und die Traurigkeit, und manchmal auch die Intensität der Wut, den dieser Verlust auslöst, nicht verwundern. Menschen ist selten bewusst, welch einen großen Teil ihres Lebens ein anderer Mensch eingenommen hat – bis sie ihn verlieren, oder doch die Gefahr dieses Verlustes unmittelbar bevorsteht. Die Tiefe der Emotion, die auf diesen Verlust folgt, ist oft erschreckend, und kann als nicht „normal“ empfunden werden.

Das ist sie nicht – im Gegenteil. Sie ist ein Zeichen von Bindungsfähigkeit und der Bereitschaft, sich auf einen anderen Menschen ganz einzulassen – und das ist etwas sehr Positives. Deshalb sollte der Schmerz auch nicht verdrängt, oder unter Umständen hinter einer Wut oder emotionalen Kälte verborgen sein. Stattdessen ist es wichtig, ihn zu formulieren und als etwas Positives wahrzunehmen. Denn er zeigt, dass die beste Freundin eine wirklich wichtige Realität war; und das wiederum bedeutet, dass man grundsätzlich in der Lage ist, diese Art von liebevoller Bindung und Nähe zuzulassen. Dies ist ein Grund zur Freude – auch wenn der Anlass ein trauriger ist, und einem nun nach allem anderen zumute ist, als dankbar zu sein. Und doch ist dies oft der erste Schritt zu einer Konfliktlösung: Dankbarkeit zu empfinden, für die Zeit, die man mit der besten Freundin hatte – warum auch immer sie jetzt vorbei zu sein scheint. Mit diesem Gefühl der Dankbarkeit in die Verlustsituation hineinzugehen, hilft ungemein dabei, sie aufzulösen.

Es gibt verschiedene Wege, mit dem Verlust der besten Freundin umzugehen. Sie sind zum einen abhängig davon, was die Ursache für die Trennung ist, und zum Anderen, welcher Persönlichkeitstyp man selbst ist.

Zuerst einmal sollte die Frage gestellt werden, welcher Art der Verlust ist. Manchmal wird etwas als endgültiger Abschied wahrgenommen, was in Wirklichkeit nur eine radikale Veränderung der Umstände ist. Ein offensichtliches Beispiel hierfür ist eine räumliche Trennung, sprich: ein Umzug an einen Ort, der zu weit entfernt erscheint, um eine Freundschaft sinnvoll aufrecht zu erhalten. Dies ist auf den ersten Blick richtig – denn die BESTE Freundin zeichnet sich meist durch ihre tatsächliche Anwesenheit aus, dadurch, dass sie „für einen da ist“, sowohl körperlich nah, als auch geistig. Dieser Aspekt wird nun verloren gehen.

Es macht wenig Sinn, so zu tun, als würde sich nichts ändern. In einer Hinsicht wird es das allerdings nicht: Die Zuneigung zum Anderen nimmt selten ab, wenn die Entfernung zunimmt. Der Verlust liegt in der tatsächlichen Lebensbegleitung. Dies sollte vorab nicht verdrängt, sondern stattdessen angesprochen werden. In den Wochen oder Monaten vor der Abreise ist es wichtig, darüber zu sprechen, was der Verlust bedeuten wird – und wie die Essenz der Freundschaft erhalten werden kann. Oft helfen hier kleine Rituale: feste Mail- oder Telefonverabredungen, zum Beispiel. Ein schon vorab geplanter gemeinsamer Urlaub. Diese sollten dann auch eingehalten werden. Schön ist auch ein Freundschaftstagebuch, das die Freundin „ersetzt“; wenn eine oder zwei Wochen voll geschrieben sind, werden die Tagebücher getauscht, und dann kommentiert. Das alles bedarf ein wenig Mühe – führt aber oft zu einer noch schöneren und intensiveren Form des Austausches.

Der zweite typische Fall eines Freundschaftsverlustes ist durch ein Zerwürfnis, einen scheinbar irreversiblen Streit oder eine tief gehende Verletzung („Das hätte ich nie von ihr gedacht“). Hier ist das Wichtigste, die Ruhe zu bewahren. In der ersten Wut, Trauer und Verletzung sind schnell Dinge gesagt, die später schwer wieder rückgängig zu machen sind – vor allem, wenn sie eigentlich nicht ihrem Inhalt nach gemeint sind, sondern nur ausgesprochen werden, um emotional zu treffen. Das Beste ist erst mal: Einige Tage voneinander Abstand zu nehmen, die berühmten paar Nächte über der Auseinandersetzung zu schlafen.

Dann sollte das Gespräch mit einem völlig unbeteiligten Dritten gesucht werden. Am besten eignet sich jemand, der die Freundin nicht kennt, gleichzeitig aber genug Menschenkenntnis hat, um zu wissen, dass jede Geschichte zwei Seiten hat – und dass eine Version nie die ganze Wahrheit erzählen kann. Besonders gut eignen sich für solche Gespräche Psychologen oder andere, in Gesprächstherapie Ausgebildete. Es gibt in fast jeder Stadt Beratungsstellen, die solche einmaligen Gespräche kostenfrei anbieten. Man sollte sich nicht scheuen, dieses Angebot anzunehmen – so ein Verlust wird von jedem ernst genommen, und steht dem eines Partners in Nichts nach. Wichtig ist es, sich nicht einen Kreis von zustimmenden, tröstenden Personen zu suchen, die die eigene Meinung die ehemalige beste Freundin betreffend, noch bestärken. Meistens geschieht dies aus Mitleid, nicht aus menschlicher Überzeugung. Es ist ein sehr nahe liegendes und verlockendes Verhalten, hilft aber langfristig niemand weiter.

Wenn das Gespräch stattgefunden hat, oder auch, falls ein solches nicht stattfinden kann, kommt als Nächstes ein Brief an die Freundin an die Reihe – ein Brief, wohlgemerkt, der niemals abgeschickt werden muss. In diesen wird alles an negativen Emotionen, Wut, Verletzung hineingeschrieben, was sonst herausgeschrien werden würde. Psychologische Erfahrung lehrt, dass es enorm wichtig ist, all diese Dinge einmal aus sich heraus katapultiert zu haben. Erstaunlich weniger relevant ist es, ob der Mensch, an den sie gerichtet sind, sie auch direkt empfängt. Dieser Brief wird für ein, zwei Tage beiseite gelegt, in denen man sich ablenken sollte. Dann wird er nochmals gelesen. Dadurch wird meistens ein Prozess des Abwägens in Gang gesetzt: War die Verletzung wirklich so gravierend, dass sie das Opfer einer wunderbaren Freundschaft wert ist? Oder gibt es doch eine Möglichkeit des Verzeihens? Hat die Handlung der Freundin die eigenen Wertvorstellungen so verletzt, dass man sie im wahrsten Sinne nicht wieder erkennt? Oder ist diese Entzweiung vielleicht eine Gelegenheit, die eigene Wertwelt zu hinterfragen, und zu relativieren?

Erst mit einem zumindest tendenziellen Gefühl sollte das direkte Gespräch gesucht werden. Dieses ist wichtig, auch wenn es nicht zur Einigung führt. Beide sollen die Gelegenheit bekommen, in Ruhe ihre Position zu schildern und der Anderen zuzuhören. Dieses Gespräch kann tatsächlich zu der reziproken Einsicht führen, dass eine Fortführung der Freundschaft unmöglich ist. Der Schmerz allerdings wird dann ein Anderer, Akzeptierter sein. Oft, sogar in dem meisten Fällen, allerdings führen diese Gespräche zumindest in eine vorsichtige Annäherung zurück.

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Comments

  1. rinoa says

    Meine beste Freundin denkt ich habe sie verraten, doch das stimmt nicht. Es war ein doofer Zufall und ein Missverständnis, doch sie glaubt mir nicht und geht jedem Versuch einer Klärung aus dem weg….

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