Beziehungsphobiker am Verhalten erkennen

Sich in einen Beziehungsphobiker zu verlieben, heißt, sich automatisch Liebeskummer einzuhandeln. Menschen mit einer tief sitzenden Bindungsangst können ihre Partner nur enttäuschen und verletzen, auch wenn sie selbst das oft gar nicht wollen. Und allen Klischees zum Trotz ist es nicht möglich, einen bindungsunfähigen Menschen mit selbstloser Liebe zu „heilen“. Aber woran erkennt man einen Beziehungsphobiker und warum ist es so schwer, ihn wieder los zu lassen?

Bindungsangst zeigt sich oft zu spät

Zu Beginn einer Beziehung merkt man einem Bindungsphobiker seine Ängste kaum an, denn die Phase des Verliebtseins ist auch für ihn aufregend und schön. Die Ängste vor Intimität und Nähe stellen sich erst oft dann ein, wenn der Rausch der Verliebtheit nachlässt und sich eine gewisse „Beziehungsroutine“ einstellt, wenn also die Verliebtheit in wirkliche Liebe übergeht. Was gesunde Menschen als schön empfinden, das Gefühl, endlich angekommen zu sein und einen Partner fürs Leben gefunden zu haben, löst bei Bindungsphobikern wahre Fluchtreflexe aus, denn sie leiden unter der tief sitzenden Panik, verletzt zu werden, wenn sie ihr Glück einem anderen Menschen anvertrauen. Um die Beziehung an diesem Punkt einfach schmerzlos zu beenden, ist es aber oft schon zu spät.

Typische Verhaltensmuster bei Beziehungsangst

Die ersten Anzeichen sind oft leise und könnten auch anders gedeutet werden, denn ganz typisch für bindungsscheue Menschen ist ihre unklare Kommunikation. Oft greifen Bindungsphobiker zu Ausflüchten, die nicht direkt ins Auge fallen. Sie können nicht über Nacht bleiben, weil der Hund oder die Kinder versorgt werden müssen, weil sie am nächsten Tag ein wichtiges Meeting haben oder ähnliches. Sie möchten keine Treffen in ihrer eigenen Wohnung, weil es doch viel interessanter ist auszugehen und wann sie Zeit haben für das nächste Date wissen sie nicht. Mit solchen Strategien versuchen Bindungsphobiker, Nähe zu vermeiden, denn mit Nähe haben sie schmerzhafte Erfahrungen gemacht.

„Das ist privat!“

Für jeden normalen Menschen ist seine Beziehung der größte und wichtigste Teil seines Privatlebens, um den sich alles dreht. Bindungswilligen Menschen ist es sehr wichtig, ihren Partner in ihre Freundschaften und ihr Familienleben mit einzubeziehen. Bindungsphobiker trennen aber ihre Beziehung und ihr „Privatleben“ in zwei Bereiche. Sie versuchen, den Partner von ihrem Freundeskreis, ihren Arbeitskollegen und ihrer Familie möglichst fern zu halten. Der Partner eines Bindungsphobikers fühlt sich ausgeschlossen aus dessen Leben und stellt oft fest, dass er eigentlich gar nichts über seinen beziehungsscheuen Lebensgefährten weiß.

Das Gegenüber verwirren

Viele Beziehungsphobiker sind Meister darin, paradoxe Botschaften zu senden. Das heißt: Ihre Körpersprache läuft dem, was sie sagen, direkt entgegen. Ein Beziehungsphobiker ist also in der Lage, seinen Partner vollkommen zu verwirren und mit einem unguten, aber auch nicht erklärbaren Gefühl zurück zu lassen. Er ist zum Beispiel in der Lage, mit einem völlig ausdruckslosen Gesicht, abgewandtem Blick und tonloser Stimme zu sagen: „Ich liebe dich!“ Dieser eigentlich so romantische und gefühlvolle Satz bekommt damit eine völlig verzerrte Bedeutung. Der Partner wünscht sich, das er auf die schönen Worte hören könnte, spürt aber etwas ganz anderes.

Verletzendes Verhalten

Empfindet der Beziehungsphobiker Intimität und Nähe als zu bedrohlich, kann er aus heiterem Himmel einen Streit vom Zaun brechen, aus einem völlig banalen Grund. Der Partner fällt dann aus allen Wolken, denn oft passieren diese „Scheinangriffe“ nach besonders schönen, gemeinsamen Erlebnissen. Grund für diese Streitsucht ist die Panik des Phobikers. Er kann keine Vertrautheit zulassen, also muss er sie zerstören. Ein irrationaler Streit schafft Distanz und gibt ihm eine Gelegenheit, sich wieder in sich zurück zu ziehen und die Angst vor Nähe abklingen zu lassen. Dabei kann ein Beziehungsphobiker sich nicht selbst als Initiator des Streits sehen – für sein persönliches Empfinden wurde er zuerst bedroht und setzt sich nur zur Wehr. Leider verlieren viele Bindungsphobiker dabei in ihrer Panik jedes Maß und greifen den Partner in ungerechtfertigter Weise so an, dass sie ihm damit tiefe Wunden zufügen.

Schuld sind immer die anderen

Der Blickwinkel eines bindungsunfähigen Menschen lässt es nicht zu, die Schuld für solche Streitigkeiten bei sich zu sehen. Aufgrund traumatischer Erfahrungen in seiner Vergangenheit fühlt er sich von intimen Beziehungen bedroht, weil er sie als schmerzhaft und erschreckend erlebt hat. Er sehnt sich wie jeder Mensch nach Nähe und Geborgenheit, rechnet aber gleichzeitig mit neuen Verletzungen, wenn er sie zulässt. Das zu erkennen würde zwar einen Heilungsprozess in Gang setzen, dieser wäre allerdings zu Anfang sehr schmerzhaft. Denn um eine Beziehungsphobie zu heilen, müsste der Betroffene seine traumatischen Erfahrungen noch einmal durchleben und aufarbeiten, um sie dann endlich hinter sich zu lassen. Um sich vor diesen Schmerzen zu schützen, verdrängt er die Gründe seines eigenen Verhaltens und zieht sich in eine schützende Opferrolle zurück.

Kann Liebe heilen?

Natürlich wäre es schön, wenn man einen so verstörten und selbstzerstörerischen Menschen mit Geduld und Liebe vor sich selbst retten könnte. Derartig tief sitzende psychische Störungen sind aber nur dann heilbar, wenn der Betroffene es selbst will. Es ist schwer, die Barrieren eines traumatisierten Menschen zu durchbrechen, ohne ihm noch mehr Angst zu machen. Die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, ist in so einer Beziehung kaum möglich, und jeder Partner eines bindungsunfähigen Menschen sollte sorgfältig abwägen, ob der eigene Selbstschutz nicht wichtiger ist als die Investition in eine Beziehung, die immer nur Verletzungen und Frustration bedeutet. Heilsamer kann es für den Phobiker sein, oft genug fallen gelassen zu werden. Denn erst, wenn der Leidensdruck groß genug wird, wird er bereit sein, sich seinen Problemen zu stellen und diese mit Hilfe eines erfahrenen Therapeuten anzugehen, um vielleicht eines Tages beziehungsfähig zu werden.

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Comments

  1. Elli says

    Lesenswert für Menschen die genau das erlebt haben. Es hilft die Dinge zu analysieren und schnell Klarheit für sich selber rein zu bringen.

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