Bindungsunfähigkeit überwinden

Zu den Beziehungskillern Nr. 1 gehört die Bindungsunfähigkeit. Die Angst vor echter Nähe ist dann meist stärker als die Liebe zum Partner. Aber es gibt für Betroffene hilfreiche Strategien, dieses Verhalten zu überwinden.

Fluchtgefahr droht

Personen, die unter Bindungsunfähigkeit leiden, können sich verlieben wie jeder andere Mensch. Die Hormone schießen durch den Körper und lassen für einige Momente die Angst vergessen. Doch wenn die Verliebtheit in Liebe übergeht, entwickelt sich für diese Personen ein ernstes Problem. Die frische Liebe hat sich gerade erst in eine Partnerschaft entwickelt, da beginnen sich bindungsscheue Menschen bereits zu fürchten. Die kleinsten und normalsten Konflikte schlagen sie in die Flucht. Einige leiden auch unter der Illusion vom perfekten Lebensgefährten, was meist in ein schnelles Aus für die Beziehung führt. Potenzielle Partner müssen Anforderungen erfüllen, die utopisch sind. So brechen bindungsunfähige Personen lieber viele Herzen, als eine wahrhafte Nähe zum geliebten Menschen zu riskieren.

Negative Erfahrungen und ein niedriges Selbstwertgefühl

Die Ursachen für eine Bindungsunfähigkeit begründen sich meist in negativen Erfahrungen sowie in einem niedrigen Selbstwertgefühl. Einige Personen sind so schüchtern, dass sie sich nur sehr schwer anderen gegenüber öffnen können. Häufig liegt die Angst vor Nähe bereits in der Kindheit begründet. Die Eltern haben ein sonderbares Rollenmodell vorgelebt, was dem Kind ein gestörtes Bild einer Beziehung erleben ließ. Partnerschaften wurden als negativ empfunden, sodass die bindungsscheue Person diese nicht selbst erleben möchte. Obwohl objektiv kein Anlass für eine Trennung bestehen würde, verspüren diese Menschen einen drängenden Fluchtreflex. Bewusst oder unterbewusst führen sie das Scheitern der Beziehung herbei. Dies verschafft im ersten Schritt ein Gefühl der Erleichterung, doch es ist kein Ausweg aus dem eigentlichen Problem.

6 Tipps zur Überwindung der Bindungsunfähigkeit:

Die Bindungsunfähigkeit wird sich ohne Gegenmaßnahmen stetig bei neuen Partnern wiederholen. Daher wird von Psychologen zu einer Kosten-Nutzen-Analyse geraten. Es sollte sich grundlegend die Frage gestellt werden, ob das Leben allein verbracht werden sollte oder doch Nähe zugelassen werden kann. Bindungsunfähige Personen haben häufig unterschwellig die Angst vor emotionalen Verletzungen. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass Liebe mit einem gewissen Schmerzrisiko einhergeht. Wer sich stetig schützt, kann nie intensive Gefühle empfinden und eine enge Vertrautheit aufbauen. Mit gezielten Strategien kann die Bindungsunfähigkeit überwunden werden. Folgende sechs Tipps helfen bei diesem Vorhaben.

1. Aufrichtigkeit ist Trumpf

Es kann sein, dass der Lebenspartner tatsächlich nicht die richtige Person ist. Ist dies der Fall, ist eine Trennung die bessere Entscheidung. Doch bindungsunfähige Menschen sollten aufrichtig zu sich selbst sein. Sie sollten hinterfragen, was sie zu der Trennung treibt. Sind es Verlassensängste? Ist es die Furcht davor etwas zu verpassen? Besteht der innere Glaube an einen irrealen Traumpartner? Das eigene Beziehungsbild sollte stets auf seinen Bezug zur Realität überprüft werden. Es sollte sich verdeutlicht werden, dass es keinen fehlerfreien Traumpartner gibt und Beziehungen auch Arbeit erfordern.

2. Die Ewigkeit ist relativ

Bindungsunfähige Personen dürfen sich nicht unter Druck setzen. Das Eingehen einer Beziehung bedeutet nicht, dass sie für die Ewigkeit geschaffen sein muss. Kein Partner kann eine Garantie für die unsterbliche und unvergängliche Liebe geben. Wenn bis zum jetzigen Zeitpunkt die Partnerschaft bejaht wird, ist dies hinreichend aufrichtig. Niemand sollte sich in einer Beziehung wehrlos und ausgeliefert fühlen, nur weil er einen Partner hat. Die Freiheit ist immer eine Möglichkeit für beide Parteien in einer Partnerschaft. Es muss sich freiwillig füreinander entschieden werden.

3. Die Akzeptanz von Abhängigkeiten

Wer seine Bindungsunfähigkeit überwinden möchte, der geht das Risiko von emotionalen Verletzungen ein und gerät in ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis. Grundsätzlich ist die Unfähigkeit zur Führung einer Partnerschaft eng mit der Verlustangst verbunden. Es ist die Sorge, gerade dann verlassen zu werden, wenn sich eine gefühlvolle Verbindung entwickelt hat. Wer sich eine dauerhafte und intensive Beziehung wünscht, muss sich dieser Gefahr jedoch aussetzen. Die bindungsunfähige Person sollte sich bewusst machen, dass nach einer Trennung das Leben weitergeht. Eine gescheiterte Beziehung ist dramatisch, aber sie stellt nicht den Weltuntergang dar. Nur mit einem gewissen Wagnis kann ein Gewinn generiert werden.

4. Der Angst entgegenlaufen

Je enger eine Partnerschaft wird, desto mehr weichen bindungsunfähige Personen von ihr fort. Sie fühlen sich von den Bedürfnissen und Wünschen des Partners schnell bedrängt, was zu einem verstärkten Fluchtreflex führt. Dieser Mechanismus kann jedoch ausgehebelt werden. Dafür sollte die bindungsunfähige Person die Initiative ergreifen und damit der Angst entgegenlaufen. Proaktiv sollte die Nähe zum Partner gesucht werden. Dies kann durch verbale Aufmerksamkeiten wie Liebesbekundungen und Komplimente geschehen. Die meisten bindungsunfähigen befürchten nun, sie würden dadurch ihre Angst nur noch verschlimmern. Es zeigt sich jedoch schnell, dass das Gegenteil eintritt. Viele Partner von bindungsunfähigen Personen sind sehr verunsichert. Sie wissen nicht, ob der Partner sie tatsächlich liebt. Daher suchen sie nach Liebesbeweisen. Sobald ihnen mehr Zuneigung und Aufmerksamkeit gegenübergebracht wird, nehmen meist auch die Klammerversuche ab.

5. Stärkung des Selbstwertgefühles

Bindungsunfähige wirken auf ihre Umgebung meist autonom und autark. Im Inneren sind sie hingegen häufig verunsichert. Aus vielfältigen Gründen leidet das Selbstbewusstsein. Sie fühlen sich häufig nicht wohl mit ihren Schwächen und Fehlern. Ein Streben nach Perfektion ist zu beobachten. Ferner besteht meist der Glaube, sie müssten sich verstellen, um geliebt zu werden. Eine aufrichtige Liebe zu einer anderen Person ist jedoch nur möglich, wenn eine Liebe zur eigenen Person gegeben ist. Daher sollten Bindungsunfähige unbedingt ihr Selbstbewusstsein stärken.

6. Keine falsche Scheu

In einer Partnerschaft ist eine offene Kommunikation entscheidend. Wenn sich der Bindungsunfähige eingeengt fühlt, sollte er mit seinem Partner darüber reden. Aktiv kann der Fluchtimpuls nur bekämpft werden, wenn nicht der einfache Weg in Form eines Rückzuges gewählt wird. Auch Liebesentzug sowie Aggressionen anderen und sich selber gegenüber sind Tabu. Der Betroffene sollte stattdessen offen seinen Wunsch äußern, etwas Zeit für sich allein zu haben. Es kann sein, dass der Partner davon nicht begeistert ist. Doch diese Strategie hat den Vorteil, dass dieser weiß, was in dem Kopf des geliebten Menschen vorgeht. Bindungsunfähige müssen lernen, dass auch ein „Nein“ in der Beziehung gesagt werden darf.

Verliebt in eine bindungsunfähige Person

Als Partner von einer bindungsunfähigen Person sollte dieser in seinem Vorhaben zur Überwindung seiner Störung unterstützt werden. Dafür ist ein hohes Maß an Geduld und Ehrlichkeit notwendig. Von anklagenden Gesprächen sollte Abstand genommen werden. Ferner empfiehlt es sich, Wünsche für die Partnerschaft rechtzeitig zu äußern. Ein ehrliches Aussprechen der Gefühle gibt dem Gegenüber die Gelegenheit, aus seinem Schneckenhaus herauszukommen und sich der gemeinsamen Liebe zu öffnen.

Die 10 häufigsten Fehler die Beziehungen zum Scheitern bringen:

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Comments

  1. Frank says

    Liebe Autoren,

    ich habe mich vor Monaten in eine Dame verliebt. Sie stieß mich zurück. Es waren mehrere Faktoren, die mich denken ließen, die Dame spiele mit mir. Ich habe vor zwei Wochen den Kontakt wieder aufgenommen. Die Dame selbst hat zugegeben, dass sie Angst hat, dass sich jemand in sie verliebt und dass sie unsicherer wird, je mehr Gefühle ins Spiel kommen.

    Nun bin ich auf Ihren Artikel gestoßen und ich denke: „…daß kann nicht wahr sein!“. Ihr Artikel trifft sowas von genau den Nagel auf den Kopf! Ich weiß nicht, wie ich ihnen danken kann, aber ihr Artikel wird mir eine sehr große Hilfe sein. :-))))

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