Die Ehe retten

Es war einmal: Eine strahlende Braut, ein glücklicher Bräutigam und eine schöne Feier. Alle Freunde und Bekannte sollten Zeuge werden von ihrer Absicht, ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Einige Zeit lang war ihr Glück auch vollkommen. Gegenseitiges Verständnis und Harmonie waren an der Tagesordnung. Beide fühlten sich zufrieden und geborgen, das Glück wohnte mit im Haus. Es gab den einen oder anderen Streit, das ist ja normal. Und die Sache mit den unangenehmen Gewohnheiten des Partners, die nicht ausgesprochen wurden, weil sie so peinlich sind. Na ja, das gibt es doch in jeder Ehe, oder? Aber wie kommt es, dass sie jetzt ausziehen will? Warum ist aus Harmonie ein Zustand des Kleinkriegs geworden? Warum finden keine Gespräche mehr statt und stattdessen nur noch Streitereien? Ist diese Ehe überhaupt noch zu retten?

Gemeinsam auf dem Sofa sitzen und fern zu sehen ist noch keine Gemeinschaft. Und wenn jede Frage als Kritik aufgefasst wird, jeder Versuch, den Partner zu einer Aktivität zu bewegen, einem Gespräch mit der Wand gleicht, dann wird das Zusammenleben zur Belastungsprobe. Oft wird eine zuvor lebendige Lebensgemeinschaft zu einer starren Welt aus Gewohnheiten und Erwartungen, die beide unzufrieden macht. Wie es dazu kommt, ist ein typisch menschliches Phänomen: Wir verlangen nach Geborgenheit. Diese suchen wir in einem Zusammenleben mit gewissen Absprachen. Wir möchten wissen, dass morgen alles noch so ist wie heute. Also einigen wir uns auf gemeinsame Abläufe und entwickeln Gewohnheiten. Diese vermitteln uns ein Gefühl von Sicherheit. Das ist wichtig und eine Basis für ein gemeinsames Leben, das auch Kindern zugute kommt. Aber es hat auch einen Haken: Wenn diese Form von Gemeinschaft selbstverständlich wird, unbeweglich und ohne Leben, dann entspricht sie nicht mehr dem Bedürfnis eines oder beider Partner.

Eine Ehe wird in den meisten Fällen aufgrund emotionaler Aspekte geschlossen. Die Verliebtheit war der ursprüngliche Grund für diese Verbindung. Und dass dieses Gefühl sich im Laufe des Lebens verändert ist ganz normal. Dennoch ist die häufigste Ursache für Unzufriedenheit und Streit in der Ehe das Gefühl, als selbstverständlich hingenommen zu werden. Es war eine emotionale und freiwillige Entscheidung, diese Ehe einzugehen. Sie ist bereichernd für das Leben der Partner, oder sollte es sein. Und so will sie auch gesehen werden: als etwas Wertvolles. Konzentrieren sich die Ehepartner nur noch darauf, jeden Abend das selbe zu tun weil sie es so gewohnt sind, dann leidet die Einmaligkeit dieser Verbindung.

Will einer der Partner die Ehe verlassen, wird dem anderen oft erstmals bewusst, wie wertvoll ihm oder ihr die Lebensgemeinschaft ist. Und es ist nicht zu spät, an der Misere etwas zu ändern. Mit der richtigen Einstellung kann die Ehe gerettet werden. Wichtig ist vor allem, bei sich selbst anzufangen. Aus dem Kreislauf von Missverständnis und Vorwürfen aus zusteigen ist nicht leicht, doch es kann gelingen. Der Gewinn kann sehr groß sein, doch zuvor muss auf eines verzichtet werden: auf das „Recht haben“. Jeder neue Streit sollte vermieden werden, was nicht gelingen wird, wenn im Gespräch die Schuld des einen oder der anderen gesucht wird.

Eine gute Methode ist, im Gespräch die Worte „Du“, und „Wir“ zu vermeiden. Auch sollten keine Fragen gestellt werden. Das führt dazu, dass die eigenen Gefühle wieder ausgesprochen werden, ohne dass Vorwürfe formuliert werden. Der Partner fühlt sich weniger angegriffen wenn er nicht direkt angesprochen wird, sonder nur hört, wie es der/die andere empfunden hat.

Oft glauben die Partner, wenn sie keine Kritik üben, würden sie die Beziehung stärken. Das ist aber ein Irrtum. Unausgesprochene Kritik, besonders wenn es um Dinge geht, die für den täglichen Ablauf in einer Ehe wichtig sind, ist dennoch vorhanden. Sie gärt im Unterbewusstsein und sucht einen Weg nach draußen. Manchmal findet sie diesen in ganz ungeeigneten Situationen, zum Beispiel bei einem Fest mit Freunden, wenn es feucht-fröhlich zugeht und die Hemmschwelle sinkt. Es ist deshalb für die Gesundheit einer Ehe sehr wichtig, Kritik so zu äußern, dass der andere auf seine Art damit umgehen kann. Um die Ehe zu retten, kann einer der Partner damit anfangen, Beobachtung und Gefühl für sich zu unterscheiden. Das würde so aussehen: „Ich sehe, dass du deine Kleider auf dem Boden verteilt hast. Ich fühle mich dadurch unwohl.“ Das klingt anders als zu sagen: „Du bist so ein Chaot, warum hat dir deine Mutter bloß keine Ordnung beigebracht?“ Oder?

Oft wissen die Partner voneinander nicht, was sie für den/die anderen tun können. Wenn sie wüssten, wie sie ihn oder sie glücklich machen könnten, würden sie es tun. Doch durch unsere Angst, dem anderen die eigenen Bedürfnisse mitzuteilen, blockieren wir auch den Informationsfluss, den das Gegenüber braucht um uns zu verstehen. Wir erwarten, dass der Partner weiß, was wir wollen. Und er erwartet vielleicht das Gleiche. Doch beide sind ganz individuelle Personen, die sich zudem auch noch verändern. Beginnen wir damit, den anderen an unseren Gefühlen und Beobachtungen teilhaben zu lassen, kann er oder sie entsprechend darauf reagieren. Bevor wir also sagen: „Ist ja klar, dass du wieder das falsche Brot gekauft hast, man kann dich auch gar nichts machen lassen!“, sollten wir überlegen, ob wir mitgeteilt haben, welches Brot wir gern haben wollten. Oder haben wir nur gehofft, der oder die andere könnte Gedanken lesen?

Ein großes Missverständnis kann auch aus den geschlechtsspezifischen Unterschieden entstehen. Und die gibt es. Das war vermutlich ein reizvoller Aspekt, als die Ehe geschlossen wurde. Die Emotionalität der Partnerin oder die Rationalität des Partners zu verurteilen, trägt nicht zu einer guten Kommunikation bei. Wenn die Partnerin also emotional reagiert, ist es besser, auf die eigenen Gefühle hinzuweisen, als zu argumentieren, dass Gefühle unvernünftig sind.

Hat einer der Ehepartner den Wunsch, die Ehe zu retten, stehen die Chancen sehr gut. Mit einer veränderten Kommunikation ist schon viel gewonnen. Häufig ist Distanz für eine gewisse Zeit sehr heilsam. Auf keinen Fall sollte der Partner unter Druck gesetzt werden. Hilfreich kann auch eine Therapie sein, besonders wenn alte, persönliche Probleme in der Ehe Thema waren. Sind beide Partner bereit, an der Ehe zu arbeiten, bietet sich eine Paartherapie an.

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Comments

  1. Herr says

    Wie kann ich meine Ehe retten?
    Wir sind seid 2004 verheiratet und seid 1997 zusammen. Das Sexleben ist auch von 100 auf 0,01% gefallen in der ganzen Zeit.
    1. Ich habe meine Frau öfters angelogen was sie auch rausbekommen hat.
    2. Ich habe mich bei einer Sexsuch-Seite angemeldet und da hat sie mich ebenfalls erwischt, habe aber keine Treffen gehabt.
    3. Ich hatte noch auf ihre Sachen mastubiert.
    Das alles verteilt in vier Jahren.
    Jetzt will meine Frau die Scheidung.
    Was für ein guten Grund kann ich ihr sagen, dass sie nicht die Scheidung einreicht?

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