Verliebtheit erkennen – Anzeichen von Verliebtheit

Verliebtheit zu erkennen wird dem Menschen einfacher gemacht, als Liebe zu erkennen, ihre große Schwester. Denn das Verliebtsein ist, so unromantisch es sich anhört, zunächst einmal eine biochemische Reaktion des Körpers auf einen anderen Menschen. Deshalb ist zumindest ein überwiegender Teil der Symptome ausgeprägten Verliebtseins auch körperlich spürbar, und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen, in dem der oder die Verliebte konstant bestimmte körperliche Empfindungen hat, die sich jeweils verstärken, wenn an das Objekt der Zuneigung gedacht wird oder sich dieses zusätzlich in der Nähe befindet. Zum zweiten, indem diese Nähe konstant gesucht und herbei gesehnt und ihre Abwesenheit als schmerzhaft und körperlich unangenehm empfunden wird. Auch hierin unterscheidet sich das Verliebtsein sehr grundsätzlich von dem Gefühl der Liebe, die wesentlich mehr Konstanz ohne radikale Höhen und Tiefen aufweist.

Beginnendes Verliebtsein manifestiert sich in einem Gefühl der Zuneigung, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie entsteht ohne das Zutun des Einzelnen, sondern findet sich plötzlich vor – manchmal kann man ihr auch fast visuell im Entstehen zuschauen, indem nämlich im Laufe eines Tages oder Abends der Wunsch, den Augenblick einer Trennung von einem Menschen hinaus zu zögern, immer übermächtiger wird. Unmittelbares, totales Verliebtsein ist sehr selten, was auch mit der Zeit zu tun hat, die der Körper zum Hormonaufbau braucht; hierzu später mehr. Die Zu-Neigung, also der Wunsch, seinen Ich-Standpunkt zu verlassen, um dem Gegenüber so nah zu sein wie möglich, kann schnell eintreten. Einige Wissenschaftler sagen sogar, die meisten Paare verliebten sich in den ersten paar Minuten ihres Kennenlernens – oft gar nicht ausgelöst durch Gespräche, sondern der Faszination mit dem unterbewusst wahrgenommenen Duft des Anderen, seinen Gesten oder seiner ganzen Gestalt.

Ein weiteres, an sich selbst zwar schwer zu diagnostizierendes Symptom des Verliebtseins – das Freunde und Familie dafür aber um so deutlicher wahrnimmt – ist die so genannte Einengung des Bewusstseins. Sie beutet, dass sich quasi ein Filter vor die sonst bei den meisten Menschen recht ausgeprägte Kritik- und Urteilsfähigkeit legt, durch den das Objekt des Verliebtseins völlig fehl eingeschätzt wird: nämlich einzig auf seine positiven Eigenschaften reduziert. Fehler werden völlig übersehen; Eigenschaften, die an allen anderen Menschen als nervtötend wahrgenommen werden, plötzlich als charmant empfunden; offensichtliche Lücken in Bildung, Erziehung, moralischen Werten etc. als interessant und individualistisch wahrgenommen und Dergleichen mehr. Es ist schwierig, dieses Verhalten an sich selbst wahrzunehmen, denn es entzieht sich bei den meisten Menschen der objektiven Selbstwahrnehmung (sofern es diese überhaupt geben kann).

Interessant ist allerdings auch, dass diese Symptome oft diejenigen sind, die sich gegenüber Dritten nicht verbergen lassen. Denn sie sind begleitet von der fast zwanghaften Obsession, über das Objekt des Verliebtseins sprechen zu wollen. Verliebtsein – im Gegensatz zu Liebe – schreit sich aus sich selbst heraus. Man sucht automatisch die Näher der Menschen die das Objekt des Verliebtseins ebenfalls kennen und versucht diesen auch den letzten Fitzel Information aus der Nase zu ziehen – oder langweilt sie mit sich ständig wiederholenden Geschichten von gemeinsamen Stunden. Das faszinierende daran: Man merkt es selbst nicht. Für andere aber erscheint nach einer Weile wie eine Art Obsession. Man darf sich also nicht wundern, wenn Menschen einem manchmal kurz angebunden begegnen; man kann das aber zusätzlich als Zeichen der Intensität der eigenen Verliebtheit werten. Zum Glück (auch wenn dies während des Zustandes weder geglaubt noch gesehen wird) währt die Phase nicht ewig. Sie kann zwar grundsätzlich bis zu zwei Jahre anhalten – dann sind auch die letzten Hormonkapazitäten aufgebraucht – aber nicht in dieser gleich bleibenden, blind machenden Intensität. Danach geht sie in Liebe auf, oder…löst sich einfach auf.

Bis es soweit ist, geht der Körper jedoch auf eine intensive Reise durch sein eigenes Hormonreservoir, die sich durch die unterschiedlichsten Symptome nach außen hin zeigt. Diese können tatsächlich bis zur Besessenheit führen – die Psychologie kennt seit den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts den Begriff der Limerenz für diese krankhaft ausgeprägte Form des Verliebtseins. Sie ist neben der normalen Sehnsucht mit einer völligen Unfähigkeit verbunden, an irgend etwa anderes zu denken als das Objekt der Begierde, somit also zu gut wie alltagsuntauglich zu werden. Das Problem der Limerenz ist, dass in gewisser Weise eine Schwächung des Selbstbewusstseins hinzu kommt, die als eine zunehmende, irrationale Furcht vor Abweisung und eine Unsicherheit in Beisein des Geliebten, man können nicht „gut genug“ für ihn oder sie sein, zu Tage tritt.

Meist aber bewirkt Verliebtsein genau das Gegenteil, einer Stärkung des Selbstwertgefühls und generell ein Gefühl von Kraft und Begeisterung. Ausgelöst wird dies nicht zuletzt durch das Freisetzen von Neurotransmittern, Glückshormone also, die nicht bei der Wahrnehmung des Geliebten halt machen, sondern sich auf die ganze Weltsicht beziehen. Alles um den Verliebten herum wird von diesem plötzlich in einem helleren, positiven Licht gesehen; Hindernisse scheinen auf einmal nicht mehr unüberwindbar; trübe Regentage werden ignoriert; fremde Menschen mit einem Lächeln bedacht. Das Verliebtsein ist ein sehr großzügiges Gefühl, weil es sich selbst als unerschöpflich wähnt – und es möchte die ganze Welt an der großartigen Erfahrung teilhaben lassen dies, es selber gerade macht.

Im Gehirn erden derweil zunächst der Botenstoff Dopamin vermehrt freigesetzt, der ansonsten als Belohnung für Geleistetes ausgeschüttet wird. Daher fühlen sich Verliebte, als ob das Gefühl selbst schon eine Errungenschaft sei, und das Verliebtsein weniger Zustand, als vielmehr eine sinnvolle und quasi lobenswerte Tätigkeit. Diese außerordentliche Dopaminausschüttung kann sogar neurophysiologisch beobachtet werden. Dies mag auch dafür verantwortlich sein, dass es plötzlich nach eigentlich unverhältnismäßig kurzer Zeit der Bekanntschaft sehr vorstellbar und „richtig“ erscheint, mit dem Geliebten „für immer“ zusammen zubleiben.

Dopamin wäre damit – so unschön es klingt – ein kleiner, evolutionärer Trick, um Monogamie und Fortpflanzung zu unterstützen. Die ganz besondere Euphorie, die am Anfang eines starken Verliebtseins eintritt, und als rauschähnlicher Zustand wahrgenommen wird, ist auch tatsächlich einer: Die körperinterne Droge Neurotrophin sorgt durch vermehrtes Auftreten für dieses bestimmte Gefühl des Fliegens, das so oft beschrieben wird. Verliebte empfinden zusätzlich oft ein Gefühl irrationalen Vertrauens in den geliebten, das sich nicht durch die kurze Dauer des Kennens rechtfertigen lässt. Ebenso ist die körperliche Nähe fast überwältigend schön und erotisch. Beides wird durch das Hormon Oxytocin begleitet, das für Vertrauensbildung, zwischenmenschliche Bindungsfähigkeit und ein geglücktes Sexualleben mitverantwortlich ist.

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