Beziehungsfähigkeit lernen

Der Begriff „Beziehungsunfähigkeit“ wird oft leichtfertig und umgangssprachlich verwendet. So werden beispielsweise junge, bindungsunwillige Männer als beziehungsunfähig bezeichnet. Doch was bedeutet es überhaupt, beziehungsfähig zu sein?

Was macht uns beziehungsfähig?

Im strengen Wortsinn meint der Begriff lediglich die Fähigkeit eines Menschen, mit einem anderen eine funktionierende Beziehung zu führen. Dafür sind wiederum verschiedene soziale und psychologische Fähigkeiten vonnöten. Dazu zählen: Vertrauen in den Partner, Ehrlichkeit und Offenheit, die Fähigkeit, Gefühle zuzulassen und angemessen zu äußern, die Bereitschaft, Intimität zuzulassen, Konflikte fair auszutragen, Enttäuschungen zu verzeihen usw. Auch die Bereitschaft, sich gemeinsam mit dem Partner weiter zu entwickeln und hier und da Kompromisse einzugehen, ist elementar für die Beziehungsfähigkeit eines Menschen.

Die Grundlagen der Beziehungsfähigkeit

Die Grundfesten der Beziehungsfähigkeit werden – wie die der meisten anderen sozialen Fähigkeiten – bereits im Kindesalter gelegt. So funktioniert die Beziehung der Eltern untereinander sowie die Beziehung der Eltern zu den Kindern als Modell, an dem das Kind lernt. Werden dem Kind von klein auf funktionierende Beziehungen vorgelebt, die auf gegenseitigem Respekt basieren, so ist es sehr wahrscheinlich, dass das Kind diese Modelle als Norm auffasst und später nachahmt. Dass die Ehe der Eltern gescheitert ist, heißt aber nicht, dass gesunde, zwischenmenschliche Beziehungen grundsätzlich unmöglich werden. Beziehungsfähigkeit kann – die Bereitschaft dazu vorausgesetzt – erlernt werden.

Empathie als Grundpfeiler der Beziehungsfähigkeit

Die Fähigkeit und vor allem die Bereitschaft, sich in den Partner hineinzuversetzen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine intakte Beziehung. Denn wer den anderen nicht nur gedanklich, sondern auch emotional begreift, kann seine Handlungen besser nachvollziehen. So werden Missverständnisse vermieden. Denn vieles, was einen Partner kränkt oder verärgert, geschieht nicht aus böser Absicht heraus, sondern bisweilen aus Gedankenlosigkeit oder eben, weil gar nicht erfasst wird, wie der andere die Dinge sieht. Daher ist es eine gute Übung in Sachen Empathie, die Dinge ganz bewusst einmal durch die Augen des Partners zu sehen. Wie würde man sich selbst fühlen, wäre man an seiner oder ihrer Stelle? Am Besten hilft diese Übung, wenn sie schon in „Friedenszeiten“ praktiziert wird, und nicht erst, wenn bereits ein Streit ausgebrochen ist. Sich hin und wieder in den Partner hineinzuversetzen hilft, sich klar zu machen, wie er die Welt – und damit auch die Beziehung – sieht.

Andersartigkeit des Partners akzeptieren

Viele Konflikte innerhalb von Beziehungen resultieren daraus, dass wir oft nur schwer in der Lage sind, die Andersartigkeit unseres Gegenübers zu akzeptieren. Andere Menschen reagieren nicht so, wie wir es täten, treffen Entscheidungen, die wir für falsch halten und so weiter. Manche Beziehung ist daran gescheitert, diese Differenzen zu überbrücken. Doch wer wäre schon gerne mit einem Klon seiner selbst zusammen? Die Redewendung „Gegensätze ziehen sich an“ hat einen sehr wahren Kern, und gerade die Andersartigkeit des Partners kann ihn sehr attraktiv machen. Eine Übung in Sachen Akzeptanz hilft, sich auf die positiv empfundenen Aspekte des Partners zu konzentrieren. Wem es im Alltag nicht gelingt, die Vorzüge des Beziehungspartners ausreichend zu würdigen, der sollte sich einmal in einer stillen Stunde hinsetzen und sie auf ein Blatt Papier notieren. Was ist spannend, interessant oder besonders am Partner? In welcher Hinsicht ist er ganz anders als wir selbst? Was können wir davon lernen?

Intimität und Selbständigkeit

Eine Beziehung lebt von Kontrasten. Damit ist nicht nur gemeint, dass zwie unterschiedliche Menschen zusammen finden, sondern auch, dass Fähigkeiten von ihnen gefordert werden, die beinahe widersprüchlich erscheinen. So ist die Fähigkeit, Nähe zuzulassen, absolut wichtig für eine Beziehung. Allerdings sind Beziehungen mit einem Zuviel an Nähe auch häufig zum Scheitern verurteilt. Es ist eine Herausforderung für beide Partner, die richtige Mischung aus Nähe und Autarkie zu finden. Nähe meint nicht nur körperliche Intimität und Zärtlichkeit, sondern auch einen gedanklichen Austausch. Sich dafür ganz bewusst Zeit zu nehmen und diese auch zu genießen, ist wichtig für eine Beziehung. Menschen, die damit ein Problem haben und diesen Aspekt von Beziehungsfähigkeit erst lernen müssen, sollten offen mit dem Partner darüber reden und mit ihm gemeinsam darauf achten, die zusammen verbrachte Zeit für beide angenehm und erfüllend zu verbringen. Kleine Schritte sind der beste Weg, um Nähe zu schaffen. Große Schritte würden eher überfordern. Intimität und Nähe sollten allerdings nicht dazu verleiten, sich an den Partner zu klammern – auch das gehört dazu, wenn Beziehungsfähigkeit erlernt werden soll. Regelmäßige Zeit allein oder mit Freunden stärkt den Sinn für Selbstständigkeit und das Gefühl, auch alleine zurecht zu kommen.

Sich selbst kennenlernen

Sich selbst besser kennen zu lernen und etwas darüber zu erfahren, wie Beziehungen in der Vergangenheit angegangen wurden, ist ausgesprochen wichtig, um es in Zukunft besser zu machen. Der eine klammert, der andere kann keine Nähe zulassen, der dritte ist nicht in der Lage, Meinungen zu akzeptieren, die von der eigenen abweichen. Um herauszufinden, wo die eigenen Schwächen liegen und um davon ausgehend Beziehungsfähigkeit zu lernen, sollte sich jeder selbst einige grundlegende Fragen stellen, zum Beispiel: Was hat meinen Partner an mir gestört? Was waren die häufigsten Streitpunkte? Wann haben wir als Paar am Besten funktioniert? Hatte ich das Gefühl, mich auf meinen Partner verlassen zu können? Bin ich in der Lage, Kompromisse zu machen? Wer sich selbst kennt, kennt auch seine Schwachstellen und kann an sich arbeiten, statt die selben psychologischen Muster ständig zu wiederholen.

Hilfe von außen

Selbsterkenntnis ist oft schwer zu erreichen. Wer nicht in der Lage ist, die eigene Beziehungsfähigkeit mit eigener Kraft zu überwinden, der tut gut daran, die Hilfe eines einfühlsamen Therapeuten in Anspruch zu nehmen – mit oder ohne Partner.

Die 10 häufigsten Fehler die Beziehungen zum Scheitern bringen:

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